Jahresbericht
Unser Jahr 2025

Vorwort

Der Klimawandel stellt unsere Wälder und ihre Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter vor große Herausforderungen. Das AWG unterstützt den notwendigen Waldumbau mit praxisnaher Forschung und fundierten Herkunfts- und Verwendungsempfehlungen. Jede unserer Veranstaltungen zeigt: Beratung und Begleitung sind unverzichtbar, damit Waldumbau mit geeigneten Baumarten und klimaplastischen Herkünften gelingt.

Erfreulich ist die Dynamik bei den Praxisanbauversuchen: Immer mehr experimentierfreudige Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer beteiligen sich aktiv und schlagen so eine wichtige Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis.
Die arbeitsintensive Betreuung der Versuchsflächen und die Neuanlage von Samenplantagen des AWG schaffen eine wertvolle Grundlage für resilientere Bestände und eine nachhaltige Saatgutversorgung in Bayern.

Bei zahlreichen Vorträgen und Veranstaltungen, v.a. bei Waldbesitzervereinigungen haben wir unser forstgenetisches Wald-Wissen verbreitet und Netzwerke gestärkt. Die Rückmeldungen sind durchweg höchst positiv.

Gut besuchte Informationsstände beim Biosphärentag in Teisendorf sowie beim Regionaltag in Traunstein zeigen das große Interesse auch der lokalen Bevölkerung an Wald, Klima und regionaler Entwicklung. Besuche von Abgeordneten, die sich in Teisendorf persönlich ein Bild machen, unterstreichen die Bedeutung unserer Arbeit für Politik und Gesellschaft.

Der Projektstart „Sanierung und Erweiterung AWG Teisendorf“ im Frühjahr war ein Meilenstein: Gemeinsam mit dem Staatlichen Bauamt Traunstein und zahlreichen Planerinnen und Planern haben wir 2025 in vielen digitalen Konferenzen die planerischen Grundlagen für den kommenden Neubau gelegt.

Mein Dank gilt allen, die das AWG und seine Themen unterstützen — in Politik, Verwaltung und bei den Waldbesitzenden — aber auch den Kolleginnen und Kollegen am AWG für ihre unermüdliche und außergewöhnlich engagierte Arbeit in Flächenpflege, Auswertung, Beratung und Verwaltung. DANKE!


Für das TEAM vom AWG

Joachim Hamberger

Highlights 2025

Biosphärentag_Stand_2025

Der Biosphärentag im Landkreis Berchtesgadener Land führte bei strahlendem Wetter viele Tausend Menschen nach Teisendorf.
Mit einem großen Stand und einer Allee klimaplastischer Baumarten konnten wir die Besucher begeistern und viele Beratungs- und Informationsgespräche führen. 

Beprobung Orientbuche Türkei_2025

AWG-Mitarbeitende unternahmen 11 Dienstreisen in sieben Länder (AT, IT, HU, CH, FR, RO, TR) mit insgesamt rund 21.000 Autokilometern vor Ort. Wir haben 29 Bestände erkundet und genetische Proben bei über 1.000 Bäumen entnommen.
In Rumänien besichtigten wir sechs Weißtannen-Samenplantagen; in der Türkei beprobten wir vier Erntebestände der Orientbuche (Foto rechts), die am AWG genetisch analysiert werden. Zu unseren Versuchsflächen in Bayern oder zu Vorträgen etc. haben wir mit unseren Dienstwagen insgesamt 145.000 km zurückgelegt. 

Besuch Abgeordnete_2025

Die Abgeordneten Dr. Martin Brunnhuber, Dr. Petra Loibl und Sascha Schnürer besuchten das AWG und besichtigen unsere Labore und die Versuchsflächen im Eichet bei Freilassing.
Alle drei waren sehr angetan von unserer Forschungs- und Vorsorgearbeit für den Zukunftswald. 

Exkursion BFHF_2025

Der Bundesforstbetrieb Hohenfels besuchte mit ca.80 Mitarbeitenden das AWG. In drei synchronen Gruppen wurden die Forstleute zusammen mit ihrem Leiter Manfred Kellner durchs AWG und Versuchsflächen in Freilassing geführt.
Es wurden viele Fachgespräche geführt und Ideen für die Zusammenarbeit entwickelt. 

Esche_Lilling_2025

Wir haben 3.360 Eschensämlinge mit erhöhter Widerstandsfähigkeit in Lilling (Ofr.) gepflanzt.
Damit helfen wir der Esche zurückzukehren, wenn die Anlage in einigen Jahren Samen tragen wird. 

BayWa-Stiftung_2025

Das Projekt O’pflanzt is 2.0 mit BayWa-Stiftung und BaySF wurde gestartet. Zahlreiche Saatgutzukunftsbestände sollen in den nächsten Jahren angelegt werden.  

HuV_BaWü_internet_2025

Die Kollegen in Baden-Württemberg übernehmen das bayerische Vorreiter-System der Herkunfts- und Verwendungsempfehlungen (HuV) und speziell die neuen Bezeichnungen „bisher bewährte“ Herkünfte, „klimaplastische Herkünfte“ und Praxis-Testanbauten (in Bayern Praxisanbauversuche).
Darüber freuen wir uns! 

Sachgebiet 1 - Angewandte forstgenetische Forschung

  • Laborleistung: Wir sind das deutschlandweit führende Labor bei der Unterscheidung von Unterarten/Varietäten der Schwarzkiefer; 2025 haben wir 1.470 Proben untersucht und fünf bayerische Bestände für einen Vergleich beprobt.
  • Laborvolumen: Wir haben ca. 6.500 Proben (Blätter, Nadeln, Knospen, Wurzeln, Holz) von 27 Arten bearbeitet und ca. 70.000 genetische Analysen durchgeführt.
  • Laborschwerpunkte bei der Generhaltung: Untersuchung von Mehlbeere und Tanne.
  • Eschen-Versuchsfläche Lilling: Auf einer Fläche von 2 ha wurden 3.360 Eschensämlinge von 69 bundesweit selektierten Mutterbäumen gepflanzt; die erste Beprobung ist abgeschlossen; eine genetische Analyse zur Vorhersage der Anfälligkeit ist geplant.
  • Vitalität Esche: Unser Langzeitversuch in Grabenstätt zeigt in vielen Familien erhöhte Widerstandsfähigkeit; 50 vielversprechende Eschen wurden für eine spätere Wiedereinbringung klonal weitervermehrt.
  • Phänologie-Monitoring: Unsere Datenauswertung zeigt, dass früh- und spätaustreibende Buchen und Fichten meist ein gleichbleibendes Muster zeigen. Bereits nach 7 Jahren Beobachtung wird deutlich, dass Buchen mit steigenden Temperaturen um 4 Tage und Fichten um 3 Tage je Grad Erwärmung früher austreiben; in den Höhenlagen verstärkt sich dieser Trend.
  • Kooperation: Gemeinsame Probenanalysen und Zusammenarbeit mit BFW Wien, FVA Freiburg, LFU Bayern, LWF und dem Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der LfL zur allgemeinen Genetik und Resistenzforschung bei Esche.
  • Genetische Analyse der Klonidentität bei sechs Samenplantagen (Douglasie, Hybridlärche, Moorbirke, Spitzahorn, Winterlinde und Vogelkirsche).

Sachgebiet 2 - Forstgenetisches Versuchswesen

  • Wir haben auf 4,6 ha Versuchsflächen Daten von ca. 6.400 Pflanzen aufgenommen.
  • Wir haben Daten von 5 Flächen mit 11.000 Datensätzen ausgewertet und dazu 6 Veröffentlichungen sowie 3 Kurzbeiträge erstellt.
  • Wir haben die Demonstrationsfläche „Alternativbaumarten im Klimawandel“ im Eichet bei Freilassing um die Baumarten Flaumeiche, Zerreiche, Ungarische Eiche, Hopfen-buche und Manna¬esche, Burgenahorn und Gelbkiefer erweitert und dort ca. 400 Besucher geführt.
  • Im Lehrpfad „Wald im Wandel“ in Osing bei Laufen haben wir Pflegemaßnahmen durchgeführt und den Weg mit Hackschnitzeln erneuert.
  • Wir haben unser in Bulgarien und Georgien kontrolliert geerntetes Saatgut der Orientbuche im Versuchsgarten Laufen angezogen.
  • Im Projekt „Mediterrane Eichenarten (QPFC)“ haben wir 6,6 ha Versuchsflächen gepflegt, Daten erhoben und den Abschlussbericht erstellt.
  • Wir haben 2 ha Saatgutzukunftsbestände mit Flaum- und Zerreiche im Stadtwald Augsburg, im BaySF Forstbetrieb Coburg und im Gemeindewald Gaimersheim etabliert.
  • Im Stadtwald Augsburg haben wir in Zusammenarbeit mit dem Thünen-Institut Großhansdorf einen 0,7 ha großen Herkunftsversuch mit Hainbuche gepflanzt.
  • Wir haben das Projekt „O’pflanzt is!“ zusammen mit der BayWa-Stiftung und den BaySF als innovatives Projekt zur Anlage von Saatgutzukunftsbeständen konzipiert und in Bulgarien eine Zerreichenernte veranlasst. Eine erste Fläche mit Roteiche wurde bereits im BaySF Betrieb Landsberg/Lech angelegt.
  • Insgesamt haben wir 22 ha wertvolle Versuchsstandorte verschiedener Baumarten gepflegt.

Sachgebiet 3 Erhalten und Nutzen forstlicher Genressourcen

Generhaltung

  • Wir haben je fünf Bestände von Roteiche, Schwarzkiefer und Weißtanne beprobt (insgesamt ca. 950 Proben).
  • Für die Anlage von Samenplantagen haben wir ca. 70 potenzielle Erntebäume von Speierling erkundet, ausgewählt und dokumentiert.
  • Wir haben Generhaltungsbestände von Buche und Tanne beprobt und im Labor genetisch analysieren lassen.
  • Die genetische Auswertung von 30 Buchenbeständen in fünf Generhaltungszonen in Bayern haben wir abgeschlossen.
  • Der Tannen-Lagerversuch (seit 2021) zeigt, dass es bei nicht optimal getrockneten Proben starke Abweichungen zwischen Keimversuch und Tetrazoliumtest gibt; feucht gelagerte Proben zeigen Wurzelanomalien.

Samenplantagen

  • In 51 Beständen von Hainbuche, Feldahorn, Elsbeere und Spitzahorn haben wir bayernweit 241 Plusbäume ausgewählt und Reiser für die Veredelung gewonnen.
  • Für die geplante Neuanlage von zwei Samenplantagen im Frühjahr 2026 haben wir die Flächen vorbereitet: 2,2 ha für eine Bergahorn-Samenplantage im Forstbetrieb Ottobeuren; 2,7 ha für eine Spitzahorn-Samenplantage im Forstbetrieb Berchtesgaden.
  • Wir haben 4.718 Roteichensämlinge von 94 bundesweit selektierten Mutterbäumen (RubraSelect) auf 2,8 ha ausgepflanzt; zunächst als Nachkommenschaftsprüfung, später Umwandlung in eine Samenplantage (Forstbetrieb Landsberg a. Lech).
  • Die Selber Höhenkiefer-Plantage Premeusel haben wir von 1,1 ha auf 2,2 ha erweitert und 184 veredelte Waldkiefern gepflanzt.

Landesstelle

  • Neu zugelassen wurden insgesamt 16 Erntebestände (295 ha brutto, 59 ha netto), bei 29 Erntebeständen haben wir die Zulassung geändert (1.914 ha brutto, 429 ha netto), 9 Erntebestände wurden widerrufen (126 ha brutto, 23 ha netto. Begangen wurden ca. 170 Bestände.
  • Nach den Vorgaben des Forstvermehrungsgutgesetzes (FoVG) haben wir die Samenplantagen Schwarzerle Laufen-Lebenau II und Europäische Lärche Pfreimd neu zugelassen.
  • Wir haben 114 Kontrollen von Forstsaat- und Forstpflanzenbetrieben durchgeführt, dabei waren 83 ohne Beanstandung, bei 31 Kontrollen gab es Beanstandungen.
  • Intensive Mitarbeit in zahlreichen Web-Konferenzen national und international zur neuen EU-Verordnung des Forstlichen Vermehrungsgutrechts.
  • Für das Erntezulassungsregister steht der IT-Dienstleister mittelfristig nicht mehr zur Verfügung, weshalb wir intensiv an verschieden Lösungsalternativen gearbeitet haben. U.a. auch für die Konzeptentwicklung eines bundesweiten Erntezulassungsregisters.
  • Gert Günzelmann, der über 20 Jahre für die Landesstelle als Kontroll- und Servicebeamter aktiv war, haben wir in den Ruhestand verabschiedet. Sein Nachfolger ist Ralph König aus Münchberg.