Kurz notiert
Den Mehlbeeren auf der Spur - Ortstermin in luftiger Höhe

Mehlbeeren-Blätter mit vielen kleinen Samenkapseln in der Blattmitte

Blätter und junge Früchte von Sorbus x hostii im Bereich der Bergstation des Jenner (Foto: B. Fussi, AWG)

Im Rahmen eines Artenhilfsprogramms (APH) des Landesamts für Umwelt (LfU) trafen sich Vertreter der Forst- und Umweltverwaltung zur Mehrbeersuche auf dem Jenner in Berchtesgaden.


Zusammen mit dem Bayerischen Amt für Waldgenetik (AWG) sollen Mehlbeer-Arten erforscht und Schutzmaßnahmen entwickelt werden. Laut Roter Liste 2024 sind fünf Mehlbeer-Arten vom Aussterben bedroht, 13 weitere gelten als stark gefährdet.

Gemeinsam auf den Jenner

Dr. Barbara Fussi und Dr. Muhidin Seho vom AWG haben sich zusammen mit Botanikern des LfU und Mitarbeiterinnen des Nationalparks Berchtesgaden auf den Weg gemacht, Proben von Mehlbeer-Arten für die genetische Untersuchung und deren Bestimmung auf dem 1.800 Meter hohen Jenner zu sammeln.

Ungefähr 40 verschiedene Arten der Gattung Sorbus kommen in Bayern vor. Neben den bekannten Arten wie Vogelbeere, Elsbeere, Speierling oder der gemeinen Mehlbeere gibt es noch viele, nur Spezialisten geläufige Arten wie etwa die Gößweinsteiner Mehlbeere, oder die Berchtesgadener Mehlbeere, die nur in den Berchtesgadener und Chiemgauer Alpen vorkommt. Die bayerischen Alpen zählen zu den wichtigsten Verbreitungsgebieten dieser artenreichen Gehölzgruppe.

Schutzmaßnahmen für seltene Mehlbeer-Arten

Da Mehlbeeren sich untereinander kreuzen und Hybriden bilden können, die sich häufig ungeschlechtlich vermehren, entstehen lokal angepasste Kleinarten. Mithilfe von DNA-Markern untersucht das AWG die genetischen Beziehungen zwischen den Arten, so können Hybriden sowie Rückkreuzungen eindeutig nachgewiesen werden.

Die Ergebnisse bilden die Grundlage für den Schutz seltener Mehlbeeren. Im Rahmen des AHP des LfU werden Bestände kartiert, geeignete Pflegemaßnahmen umgesetzt sowie Keimlingsgärten und Pflanzflächen vorbereitet, um gefährdete Arten langfristig zu erhalten.
Auch im Klimawandel gewinnen Mehlbeeren an Bedeutung. Ihre hohe genetische Vielfalt und ihre Hitze- und Trockenheitstoleranz machen insbesondere die Echte Mehlbeere zu einer wichtigen Baumart für den Wald der Zukunft. Da Mehlbeeren in Höhen bis 1.500 m vorkommen, sind sie als Erosionschutz für alpine Wälder von Bedeutung. Als Nahrungsquelle für Vögel, Kleinsäugetiere und Insekten leisten sie einen wertvollen Beitrag.

Erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Umwelt- und Forstverwaltung

Das erst kürzlich abgeschlossene Projekt GenSorb wurde im Rahmen des Artenhilfsprogramms ins Leben gerufen, bei dem das AWG in Zusammenarbeit mit dem LfU begonnen hat, Schutzmaßnahmen für vorhandene Mehlbeer-Vorkommen zu erarbeiten und verschiedene Mehlbeerenarten auch genetisch zu untersuchen. Geklärt werden sollte, inwieweit die endemischen Arten genetisch eigenständig sind und ob sich die Gemeine Mehlbeere (S. aria) mit endemischen Arten rückkreuzt, was eine Bedrohung für die endemische Mehlbeerenflora darstellen könnte.

eine Frau und drei Männer stehen auf einem Weg auf einem hohen Berg, im Hintergrund die Bergspitze

Diskussion am Jenner zwischen zwei Verwaltungen

dunkelgrünes Blatt einer Mehlbeere ohne Früchte

Berchtesgadener Mehlbeere

sieben Menschen stehen auf einem Bergweg und hören einem Mann mit Hut in der Mitte der Gruppe zu

Forscherteam mit Mehlbeeren-Experte Norbert Meyer

4 Personen bücken sich auf einem Berg und suchen Mehlbeeren

Botaniker auf Mehlbeerensuche

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