von Johanna Chaillie und Yves-Daniel Hoffmann, AWG

Flaumeichenbestand in Südtirol, Foto Y.-D. Hoffmann, AWG
Alle drei Arten haben ein großes natürliches Verbreitungsgebiet in Europa und unterliegen dem Forstvermehrungsgutgesetz. Jedoch wurden bisher in Deutschland nur Herkunftsgebiete für Trauben- und Stieleiche ausgewiesen sowie Saatguterntebestände ausgewählt und amtlich zugelassen.
Im Gegensatz dazu gibt es in Deutschland keine zugelassenen Saatguterntebestände der Flaumeiche. Saatgut der Baumart aus dem europäischen Ausland ist überwiegend der Kategorie „quellengesichert“ zugeordnet und darf für den forstlichen Anbau in Deutschland nicht verwendet werden. Bei ausreichender Dokumentation der Herkunft kann es jedoch im Rahmen von Praxisanbauversuchen ausprobiert werden.
Bestände der Kategorie „ausgewählt“ sind selten. Vor dem Hintergrund der steigenden Bedeutung heimischer Eichenarten untersucht das AWG im Projekt »sensFORoak« die Klimasensitivität ausgewählter Bestände entlang eines Umweltgradienten. Ziel ist es, Saatguterntebestände zu identifizieren, die besonders anpassungsfähig an zukünftige Klimabedingungen sind.
Inzwischen wurde die genetische Beprobung von 12 Untersuchungsflächen je Baumart abgeschlossen.
Während bei Trauben- und Stieleiche vorwiegend Bestände in Bayern, Baden-Württemberg und Österreich ausgewählt wurden, verteilen sich die untersuchten Flaumeichenbestände über mehrere europäischen Länder und zeigen eine erstaunlich große Vielfalt an Standorten und Bestandesformen. Nur bei drei dieser Bestände (Frankreich und Nordschweiz) handelt es sich um Saatguterntebestände. Viele Bestände vor allem auf Marginal- und Grenzstandorten sind aus ehemaligen Niederwäldern hervorgegangen und werden heute nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt, besitzen aber einen hohen naturschutzfachlichen Wert. Die Flaumeiche tritt häufig in Mischung mit Orientalischer Hainbuche, Hopfenbuche, anderen Eichenarten sowie Ahorn- und Kiefernarten auf.
Zoombild vorhanden
Flaumeichen im Apenin
Zoombild vorhanden
Flaumeichenbestand in Ungarn
Zoombild vorhanden
Flaumeiche in Westfrankreich
Zoombild vorhanden
Flaumeichen in Südtirol
Gemeinsam mit Beständen in Baden-Württemberg und der Nordschweiz markieren diese Flächen den nördlichen Rand des natürlichen Verbreitungsgebietes. Hier ist die Flaumeiche auf besonders trockene und steile Hänge beschränkt und hybridisiert zunehmend mit der Traubeneiche. Deutsche Bestände, wie der Untersuchungsbestand im Rheingraben, haben zumeist bessere klimatische Bedingungen, während das Klima auf ausländischen Standorten besonders in der Vegetationszeit weitaus extremer ausfallen kann.
Die Bereisung diente neben der Datenerhebung und der Beschreibung der Bestände auch der Etablierung internationaler Kontakte. Im nächsten Schritt werden die gewonnenen Daten aller drei Eichenarten aus Nischenmodellierungen, Genetik, Bodenkunde und Waldwachstumskunde zusammengeführt und ausgewertet. Die Ergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse für die Bewertung der Klimasensitivität und einer fundierte Herkunftswahl und leisten damit einen Beitrag zur Entwicklung klimafitter Wälder.
Im nächsten Schritt sollte im Rahmen von Herkunfts- und Praxisanbauversuchen die Anbaueignung sowie Anpassungsfähigkeit der Flaumeiche in Bayern getestet werden.
Johanna Chaillie
Projektmitarbeiterin im Projekt sensFORoak
Tel.: 08666 9883 0
E-Mail: johanna.chaillie@awg.bayern.de
Yves-Daniel Hoffmann
Projektmitarbeiter im Projekt sensFORoak
Tel.: 08666 9883 0
E-Mail: yves-daniel.hoffmann@awg.bayern.de