Heimische Eichen - Europaweite Beprobung

von Johanna Chaillie und Yves-Daniel Hoffmann, AWG

Trauben- und Stieleiche zählen zu den prägenden Baumarten in den Wäldern Bayerns. Nach der Buche stellen sie mit einem Flächenanteil von 7,4 % die zweithäufigste Laubholzgruppe dar. Angesichts des Klimawandels gewinnt ihre Bedeutung aufgrund der hohen Trockenheitstoleranz weiter an Gewicht.

Flaumeiche Südtirol, Foto Hoffmann AWG

Flaumeichenbestand in Südtirol, Foto Y.-D. Hoffmann, AWG

Flaumeiche - eine Zukunftsbaumart im Klimawandel?

Weniger bekannt, aber zunehmend relevant ist die Flaumeiche, die nur vereinzelt in Reliktbeständen auf sehr mageren Böden vorkommt und eine noch höhere Toleranz gegenüber starker Trockenheit und Sommerhitze aufweist.


Alle drei Arten haben ein großes natürliches Verbreitungsgebiet in Europa und unterliegen dem Forstvermehrungsgutgesetz. Jedoch wurden bisher in Deutschland nur Herkunftsgebiete für Trauben- und Stieleiche ausgewiesen sowie Saatguterntebestände ausgewählt und amtlich zugelassen.

Im Gegensatz dazu gibt es in Deutschland keine zugelassenen Saatguterntebestände der Flaumeiche. Saatgut der Baumart aus dem europäischen Ausland ist überwiegend der Kategorie „quellengesichert“ zugeordnet und darf für den forstlichen Anbau in Deutschland nicht verwendet werden. Bei ausreichender Dokumentation der Herkunft kann es jedoch im Rahmen von Praxisanbauversuchen ausprobiert werden.

Bestände der Kategorie „ausgewählt“ sind selten. Vor dem Hintergrund der steigenden Bedeutung heimischer Eichenarten untersucht das AWG im Projekt »sensFORoak« die Klimasensitivität ausgewählter Bestände entlang eines Umweltgradienten. Ziel ist es, Saatguterntebestände zu identifizieren, die besonders anpassungsfähig an zukünftige Klimabedingungen sind.

Inzwischen wurde die genetische Beprobung von 12 Untersuchungsflächen je Baumart abgeschlossen.

Beprobung von Flaumeichenbeständen in Europa

Während bei Trauben- und Stieleiche vorwiegend Bestände in Bayern, Baden-Württemberg und Österreich ausgewählt wurden, verteilen sich die untersuchten Flaumeichenbestände über mehrere europäischen Länder und zeigen eine erstaunlich große Vielfalt an Standorten und Bestandesformen. Nur bei drei dieser Bestände (Frankreich und Nordschweiz) handelt es sich um Saatguterntebestände. Viele Bestände vor allem auf Marginal- und Grenzstandorten sind aus ehemaligen Niederwäldern hervorgegangen und werden heute nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt, besitzen aber einen hohen naturschutzfachlichen Wert. Die Flaumeiche tritt häufig in Mischung mit Orientalischer Hainbuche, Hopfenbuche, anderen Eichenarten sowie Ahorn- und Kiefernarten auf.

Apenin

Flaumeichenbestand Apenin_Foto Hoffmann, AWGZoombild vorhanden

Flaumeichen im Apenin

Im nördlichen Apennin wurden drei typische Flaumeichenbestände in Naturschutzgebieten beprobt. Die Bestände stocken auf Hanglagen mit Gips bzw. kalkhaltigem Sandstein als Grundgestein auf 250 bis 580 m ü. NN. Das Gebiet weist einen Jahresniederschlag von 758 bis 800 mm und eine Jahresdurchschnittstemperatur von 12,5 bis 13,7 °C auf. Die Bäume erreichen dort Höhen zwischen 10 und 20 m sowie Durchmesser von 15 bis 25 cm.

In flachgründigen Bereichen und zunehmender Hangneigung zeigen die Flaumeichen buschförmige Wuchsformen, während an tiefgründigeren Stellen geradschaftigere Stämme beobachtet werden können.

Ungarn

Flaumeiche Ungarn_Foto Hoffmann, AWGZoombild vorhanden

Flaumeichenbestand in Ungarn

Zwei untersuchte Flächen in Ungarn liegen auf Höhen von 180 und 300 m ü. NN. Sie sind durch eine Jahresdurchschnittstemperatur von etwa 10,5 °C sowie einem Jahresniederschlag von rund 640 mm charakterisiert. Die Flaumeichen erreichen dort durchschnittliche Höhen von 15 m und Durchmesser von 25 cm, wobei die Stämme häufig Krümmungen und Tiefzwiesel aufweisen. Die Böden der beiden Flächen zeigen eine hohe Bandbreite von basenarm zu basenreich.

In Ungarn werden Flaumeichen vor allem zum Erosionsschutz und als Brennholz genutzt.


Frankreich

Flaumeiche WestfrankreichZoombild vorhanden

Flaumeiche in Westfrankreich

Besonders eindrucksvoll präsentierten sich zwei Bestände auf 110 m ü. NN in Westfrankreich.

Unter günstigen Bedingungen mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 11,9 °C, einem Jahresniederschlag von rund 700 mm und kalkhaltigem Ausgangsgestein erreichen die Flaumeichen teilweise geradschaftige Wuchsformen mit Höhen von bis zu 30 m und Durchmessern von bis zu 80 cm.

Südtirol

Flaumeiche_SüdtirolZoombild vorhanden

Flaumeichen in Südtirol

In Südtirol wurden zwei Bestände auf 300 bzw. 500 m ü. NN untersucht. Das Gebiet ist durch eine Jahresdurchschnittstemperatur von rund 13 °C und einen Jahresniederschlag von etwa 830 bis 980 mm geprägt. Beide Bestände befinden sich auf Hanglagen mit Granit als Ausgangsgestein und weisen basenarme Bodentypen auf. Die Flaumeichen erreichen dort durchschnittliche Höhen von 10 m und Durchmesser von 15 cm und zeigen überwiegend schlechte Stammqualitäten.

In Südtirol übernehmen Flaumeichen häufig eine Schutzfunktion gegenüber Steinschlag und Erosion an Steilhängen. Daher wird dort gezielt ein Waldumbau von Schwarzkiefer hin zur Flaumeiche betrieben.

Gemeinsam mit Beständen in Baden-Württemberg und der Nordschweiz markieren diese Flächen den nördlichen Rand des natürlichen Verbreitungsgebietes. Hier ist die Flaumeiche auf besonders trockene und steile Hänge beschränkt und hybridisiert zunehmend mit der Traubeneiche. Deutsche Bestände, wie der Untersuchungsbestand im Rheingraben, haben zumeist bessere klimatische Bedingungen, während das Klima auf ausländischen Standorten besonders in der Vegetationszeit weitaus extremer ausfallen kann.

Testanbauten der Flaumeiche in Herkunfts- und Praxisanbauversuchen

Die Bereisung diente neben der Datenerhebung und der Beschreibung der Bestände auch der Etablierung internationaler Kontakte. Im nächsten Schritt werden die gewonnenen Daten aller drei Eichenarten aus Nischenmodellierungen, Genetik, Bodenkunde und Waldwachstumskunde zusammengeführt und ausgewertet. Die Ergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse für die Bewertung der Klimasensitivität und einer fundierte Herkunftswahl und leisten damit einen Beitrag zur Entwicklung klimafitter Wälder.

Im nächsten Schritt sollte im Rahmen von Herkunfts- und Praxisanbauversuchen die Anbaueignung sowie Anpassungsfähigkeit der Flaumeiche in Bayern getestet werden.

Kontakt

Johanna Chaillie
Projektmitarbeiterin im Projekt sensFORoak
Tel.: 08666 9883 0
E-Mail: johanna.chaillie@awg.bayern.de

Yves-Daniel Hoffmann
Projektmitarbeiter im Projekt sensFORoak
Tel.: 08666 9883 0
E-Mail: yves-daniel.hoffmann@awg.bayern.de